Gottes Reich wächst

Zu meinem Geburtstag habe ich ein Tütchen mit Mangold-Samen geschenkt bekommen. Bisher war ich eher der Gemüsegärtner, der sich z.B. kleine Salatpfänzchen auf dem Markt kauft und dann im Garten im Hochbeet wachsen lässt. Jetzt also mein Versuch, den Mangold selbst zu ziehen.

 

Die ersten Tage waren schwierig. Ich habe die Samenkörner in ein kleines Gefäß in Erde gesteckt, vorsichtig zugedeckt und täglich nachgeschaut, ob und wie es wächst. Aber da geschah nichts - zumindest nichts, was ich sehen konnte. Nach 5 Tagen durchbrachen endlich die ersten Spitzen die Erde, aber wo blieben die andern? Wachsen die nicht gleichzeitig?
Schließen hatten alle Samen ausgetrieben und waren so groß geworden, dass ich Sie ins Beet pflanzen konnte. Seit dem schaue ich immer noch täglich nach, wie es ihnen geht und denke manches mal: der Salat wächst aber schneller, die Bohnen und die Tomaten auch …

 

Wieso ich dies Ihnen erzähle? Heute bin ich nun durch mein Aufnehmen der Andachten für sehbehinderte und blinde Menschen einem Gleichnis von Jesus begegnet, was uns in Markus 4, 26-29 erzählt wird. Damit Sie es nicht nachschlagen müssen, drucke ich es hier ab:

 

Und Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

 

Das Bild, was Jesus hier von der Landwirtschaft entwirft, ist ziemlich "weltfremd", schon damals in seiner Zeit und heute noch viel mehr. So funktioniert Landwirtschaft nicht! Weder der Bauer noch die Hobbygärtnerin geht hin und sät, und dann geht alles wie von alleine und am Ende muss nur noch geerntet werden. Je nach dem, was gesät wurde, ist viel Einsatz erforderlich: befeuchten, vereinzeln, von Unkraut befreien, Schnecken ablesen … Und der Erfolg, die Ernte, ist alles andere als sicher.

 

So funktioniert auch das Reich Gottes nicht! Wie viele "Samen" wurden in den 100 Jahren Stadtmission durch Handzettel, Predigten, seelsorgerliche Gespräche, Begleitung, praktische Hilfe u.v.m. ausgesät und gehegt und gepflegt! Wenn es nach der Menge des Samens und der liebevollen "Pflegearbeit" ginge, müsste die WSM ein Urwald an wunderbaren Gewächsen sein. Und das gilt ebenso für die vielen Gemeinden in unserer Stadt.

 

Aber es gibt auch eine andere Seite in diesem Gleichnis. Nicht alles, was da wächst, haben wir gemacht. Es wächst einfach - und anders - und mehr als das, was wir uns vorstellen und was wir mit unseren Händen schaffen. Das gilt für das Mangoldpflänzchen wie auch für das, was unter uns Christen wächst. Gott ist der Schöpfer und der Herr über alles Wachstum. Wir haben es nicht in der Hand. Dieses Geheimnis beschreibt auch der Liedvers von Matthias Claudius auf der Karte.

 

Im Hintergrund erkennen wir die Zusage Gottes, dass er seine Saat (Reich Gottes), bei deren Ausbringung wir beteiligt sind, aufgehen lässt. Sie wird wachsen und Frucht bringen. Die Ernte wird kommen, weil er selbst es verspricht und dafür sorgt.

 

Und dann ist da noch der verborgene Hinweis auf das Leben Jesu selbst, der von sich als dem Korn gesprochen hat, was in die Erde fallen muss und sterben, um dann zu einem neuen Leben zu erwachen. Jesus hat sich selbst wie eine Saat ausgebracht, ist am Kreuz von Golgatha gestorben, damit wir, durch und mit ihm, zu einem neuen Leben erweckt werden. Zu einem Leben, was Frucht bringt, wie von selbst, weil Jesu dafür bürgt.

So "funktioniert" das Reich Gottes.

 

Ich freue mich auf unser Miteinander am kommenden Samstag und wünsche uns für dieses Treffen, aber auch jedem persönlich, "Frühregen und Sonnenschein" und die Freude darüber, dass das Reich Gottes unter uns wächst.

Gott gefohlen!

Ihr Paul-Gerhard Sinn

 

 

P.S.:

- Die Karte zu diesem Wochenbrief finden Sie hier.


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