"Seht den Menschen!"

In dem mit ca. 100 Personen gut gefüllten Kirchraum der Diakoniekirche gingen den Rednerinnen und Rednern inmitten der Ausstellungsbilder die Worte nicht so selbstverständlich von den Lippen. Die Portraits der mindestens 183 Menschen, die seit 1990 durch rechte Gewalt ums Leben kamen, wirkten beklemmend, die Raumtemperatur in der ungeheizten Kirche tat ein Übriges...

In Anweseheit vieler Gäste aus Kirche und Stadt, darunter Bürgermeisterin Ursula Schulz, Präses Manfred Rekowski und MdB Helge Lindh, grüßten Hausherr Paul-Gerhard Sinn (Stadtmission/Diakonie) und Ausstellungskoordinator Pfarrer Jörg Wieder (Wichlinghausen) die Gäste, bevor Superintendentin Ilka Federschmidt die Ausstellung eröffnete. Sie erinnerte eindrücklich an die Hanauer Bürgerin Elisabeth Schmitz, verstorben 1977. Als junge Lehrerin im Nationalsozialismus hatte sie aus ihrem christlichen Glauben heraus schon früh die Anfänge nationalsozialistischen Unrechts angeprangert. Sie drängte ihre Kirche immer wieder und hartnäckig, sich öffentlich für die Entrechteten einzusetzen. Ohne Rücksicht auf ihr eigenen Leben trat sie für die Juden ein, nahm jüdische Personen bei sich auf.

 

,Seht den Menschen' war ihre Botschaft an ihre Kirche damals. Federschmidt nahm diese Mahnung auf:

"Seht den Menschen! Das ist ein wesentliches Anliegen des Kirchenkreises als Träger der Ausstellung. Die rechten Gewalttaten die die Menschen auf den Bildern dieser Ausstellung das Leben kosteten, sind ein Abfall vom Menschen, der für uns als Christen in der Tiefe ein Abfall von Gott ist. Ich wünsche dieser Ausstellung, dass sie uns und möglichst viele Menschen genau mit diesem eindrücklichen Plädoyer erreicht: 'Seht den Menschen! Rettet den Menschen'.“

 

Auch Bürgermeisterin Ursula Schulz wünschte in ihrem Grußwort der Ausstellung, "dass sie Menschen erreicht, die erreichbar sind, um so an einer positiven und gewaltfreien Zukunft zu arbeiten". Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge, wurde in ihrem Grußwort deutlich: "Diese Ausstellung ist ein kleiner Beitrag der Gerechtigkeit!" Denn viele Taten, deren Opfer abgebildet sind, seien zunächst als reine Beziehungstaten eingeordnet worden, die Angehörigen der Opfer wurden verdächtigt und bedrängt. "Es war eine strategische Nichtwahrnehmung: Was nicht sein darf, das nicht sein kann." Vor der rechten Gefahr könne sich heute niemand mehr verschließen.

 

Anschließend fragte Hans Lietzmann, Professor für Politikwissenschaft und Leiter des „Instituts für Demokratie und Partizipationsforschung - Forschungsstelle Bürgerbeteiligung“ an der Bergischen Universität Wuppertal, in seinem Impulsvortrag nach der öffentlichen Kommunikation und Nicht-Kommunikation über die rechtsradikalen Morde der letzten Jahrzehnte und versuchte, Erklärungen für bestimmte Reaktionen in Öffentlichkeit und Medien zu finden.

Die Veranstaltung wurde musikalisch nachdrücklich gerahmt von Andre Enthöfer.

 

Quelle: https://www.evangelisch-wuppertal.de/aktuelle-meldungen-leser-1365/bericht-ausstellungseröffnung.html

Text: Werner Jacken/Öffentlichkeitsreferat

Fotos: Tim Polick/Öffentlichkeitsreferat


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