aufwachen!

Morgenerfahrungen: die Sonne bahnt sich ihren Weg in mein Schlafzimmer und lockt mich aus dem Schlaf. Im Dämmerzustand lausche ich auf die Geräusche von außen: das Singen der Amsel (wir haben unsere ganz persönliche Amsel, die uns jeden Morgen und Abend mit ihrem Gesang beschenkt), das Schlagen der Kirchenglocke, die Geräusche aus der Nachbarschaft. Sie alle vermischen sich mit meinen Halbschlafgedanken. Ein wunderschöner Tag kündigt sich an. Doch dann setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass nach wie vor Ausnahmezustand herrscht. Oder sollte man diesen Begriff nicht besser ändern, von Ausnahmezustand zu "neuer Normalität"? Die Augen zukneifen bringt nichts, aufwachen!

 

Vergangene Woche wurde intensiv über die richtigen Schritte für ein anderes "Aufwachen" diskutiert. Exit-Strategien heißt das Zauberwort. Es geht um die Lockerung der Ausgangs- und Kontaktbeschränkung und damit um die sehnsüchtig erwartete Rückkehr zu einem halbwegs normalen Leben. Aber die Ergebnisse, die schließlich in den Nachrichten verkündet wurden, haben ernüchtert und verwirrt. Lockerung der Ausgangssperre? Ja, aber … Die Citygalerie darf aufmachen, der Supermarkt sowieso, der Kaufhof aber nicht und Gottesdienste oder Bibelstunden sind auch noch nicht erlaubt. Mundschutz tragen wird empfohlen, aber weil es zu wenige gibt, können wir nicht dazu verpflichtet werden. Wer selbst diese Woche in der Stadt unterwegs war, kam schon ins Zweifeln, ob das die richtigen Schritte waren. Übrigens: Die Mundschutzproduktion der WSM ist aktiv. Wir haben selbstgenähte Masken, die wir gerne weitergeben.

 

Hatten Sie Gelegenheit, sich letzte Woche mit der Auferstehungsgeschichte aus Johannes 20 zu beschäftigen? Richtig spannend ist diese Geschichte, wenn man das ganze Kapitel und das Nachfolgende liest. Es ist ein Hin und Her, ein Augenreiben und Zweifeln, bis sich die Botschaft durchsetzt: Jesus lebt! Es ist, als würden wir die Jüngerinnen und Jünger beim Aufwachen beobachten. Und dass ihnen das so schwer fällt, hat natürlich mit den albtraumhaften Erfahrungen vor Ostern zu tun und dem Umstand, dass die völlig neue Wirklichkeit des Ostertages ihre Vorstellungskraft übersteigt: Jesus ist auferstanden. Der Tod ist besiegt!

 

Wie kann man das glauben?  Und wie kommt dieser Glaube ins Leben, ins eigene Erleben? Das fragen sich nicht nur die Jüngerinnen und Jünger, sondern alle Hörenden und Glaubenden dieser strahlenden Nachricht. Wie lässt sich der Glaube an die Auferstehung Jesu in unserem Alltag "erden"?

 

Joh. 21, 1-13 (Hoffnung für alle):

1 Später zeigte sich Jesus seinen Jüngern noch einmal am See Genezareth. Das geschah so: 2 Simon Petrus, Thomas, der Zwilling genannt wurde, Nathanael aus Kana in Galiläa, die beiden Söhne von Zebedäus und zwei andere Jünger waren dort zusammen. 3 Simon Petrus sagte: »Ich gehe jetzt fischen!« »Wir kommen mit«, meinten die anderen. Sie gingen zum Ufer, stiegen ins Boot und fuhren los. Aber während der ganzen Nacht fingen sie keinen einzigen Fisch.

4 Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger erkannten ihn nicht. 5 Jesus rief ihnen zu: »Freunde, habt ihr nicht ein paar Fische zu essen?« »Nein«, antworteten sie. 6 Da forderte er sie auf: »Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr einen guten Fang machen!« Sie folgten seinem Rat und fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht mehr einholen konnten. 7 Jetzt sagte der Jünger, den Jesus sehr lieb hatte, zu Petrus: »Das ist der Herr!« Kaum hatte Simon Petrus das gehört, zog er sein Obergewand an, das er während der Arbeit abgelegt hatte, sprang ins Wasser und schwamm an das nahe Ufer. 8 Die anderen Jünger waren noch etwa hundert Meter vom Ufer entfernt. Sie folgten Petrus mit dem Boot und zogen das gefüllte Netz hinter sich her.

9 Als sie aus dem Boot stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer, auf dem Fische brieten. Auch Brot lag bereit. 10 Jesus bat die Jünger: »Bringt ein paar von den Fischen her, die ihr gerade gefangen habt!« 11 Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. Es war gefüllt mit 153 großen Fischen. Und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

12 »Kommt her und esst!«, sagte Jesus. Keiner von den Jüngern wagte zu fragen: »Wer bist du?« Aber sie alle wussten: Es ist der Herr. 13 Jesus ging auf sie zu, nahm das Brot und verteilte es an sie, ebenso die Fische.

Wenn Sie Interesse und Zeit haben, nehmen Sie sich wieder ein leeres Blatt Papier und decken damit vorerst meine Gedanken zu. Mit dem leeren Blatt können Sie nun den nebenstehenden Text aus Johannes 21 aktivlesen, in dem Sie Ihre Gedanken und Fragen zu dem Text notieren.

 

Im Folgenden vertiefe ich zwei Gedanken zu dieser Geschichte:
Schuster bleib bei deinen Leisten! Im "ersten Leben", so könnte man sagen, waren viele der Jünger Fischer. Jesus berief sie in eine neue Lebensphase, sie sollten ihm nachfolgen, d.h., von ihm lernen. Er bildete sie zu Menschenfischern aus. Mit seinem Tod und der Auferstehung war diese Zeit nun abrupt vorbei. Was jetzt kommt, wissen sie nicht. Darum kehren sie zurück zu dem, was sie können: fischen.
Was tun wir in "Zwischen-Zeiten", wenn Neues kommt, aber noch nicht da ist? Bei dem bleiben, was wir kennen, nämlich die Gemeinschaft suchen und pflegen. Das ist gut. - Und offen sein, für Wegweisung.

 

So trage ich dich und du mich (siehe Karte). Irgendwie sind sie alle nicht wirklich wach, zumindest erkennen sie Jesus nicht. Bemerkenswert! Es Ist in gewisser Weise typisch bis in unsere Zeit, weil Jesus uns Christen immer wieder überraschend anders begegnet. Den Jüngern half auch nichts, dass sie schon drei Jahre lang mit ihm unterwegs waren und ähnliches schon einmal erlebt hatten. Und uns heute hilft es ebensowenig, wenn wir schon Jahrzehnte unsere Bibel lesen und als Christen leben. - Aber dann: einer sieht mehr als der andere. Der wiederum ist spontaner, schneller, direkter und eilt (schwimmt) voraus. Andere bringen schließlich das Boot mitsamt vollem Netz sicher ans Land. Am Ende haben sie es alle verstanden, dass Jesus sie ruft, der Auferstandene. Er bittet "zu Tisch" und verteilt, was sie zum Leben (und zum Glauben) brauchen.

 

Unverhoffte Begegnung im Alltag. Überraschender Erfolg: 153 große Fische! Damit der Osterglaube sich in unserem Alltag verwurzeln kann, brauchen wir die Begegnung mit Jesus und die Gemeinschaft mit Geschwistern. Als Leib Christi erleben wir hautnah, welche Kraft die Vergebung freisetzt und wie tragfähig die Liebe ist. Nach was werfen wir unsere Netze aus? Ich bin gespannt, wie unsere "153 Fische" aussehen.

 

Nur wer aufgewacht ist, sieht und lebt beides: Ostern im Alltag, Verheißung als Realität, Leben trotz der Bedrohung durch den Tod, Freiheit, obwohl uns das Virus so nachhaltig eingrenzt. Ostern glauben heißt, aufwachen und als aufgeweckte, wache Christen mit unseren Möglichkeiten in unserem begrenztem Leben zu rechnen. Zum Aufwachen braucht es den Impuls von außen. Darum erinnere ich an das Lied EG 452: Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.

 

Hellwache Erfahrungen wünscht Ihnen allen

Ihr Paul-Gerhard Sinn

 

P.S.:

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